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Drei Wehren und ein großes Jubiläum

So etwas ist in Schleswig-Holstein selten: Drei Freiwillige Feuerwehren feiern am selben Tag ihr 125-jähriges Bestehen. Deshalb ließ es sich Innenminister Klaus Schlie gestern auch nicht nehmen, persönlich in die Sporthalle der Pestalozzischule zu kommen. Dort überreichte der CDU-Politiker beim Festakt vor 310 Gästen aus Politik, Verwaltung und Feuerwehr den Wehrführern Karl-Heinz Krügel aus Tungendorf-Stadt, Hans-Wilhelm Voß aus Tungendorf-Dorf und Sönke Staack aus Tasdorf die silberne Glocke als Ausdruck des Dankes und des Respekts des Landes vor den Leistungen der Frauen und Männer in den drei ehrenamtlichen Wehren. Für die musikalische Umrahmung sorgten 27 Musiker des Blasorchesters vom Turn- und Sportverein Wankendorf.

Es war exakt der 4. Dezember 1886 als sich 29 Männer und Ortsvorsteher Johannes Holtorf in der guten Stube der Holtorfs trafen, um die Freiwillige Feuerwehr für Tasdorf und Tungendorf zu gründen. Die neue Wehr, die ihr Wehrhaus mit Gefängnis am Tasdorfer Weg bekam, stellte an die beiden Gemeinden den Antrag, die Kosten ihrer Einrichtung zu übernehmen und ersuchte die königliche Kirchspielvogtei Neumünster, "das hierzu erforderliche wahrzunehmen". So geht es aus alten Protokollen hervor. 23 Jahre lief danach alles gut. Doch 1909 kam es zum nicht auszuräumenden Streit in der Wehr um den Hauptmann Hinrich Petersen. Die Wehr wurde aufgelöst, Petersen seines Amtes enthoben. Fortan gab es die Wehren Tasdorf, Tungendorf-Dorf und Tungendorf-Mühle, die später Tungendorf-Kolonie und heute Tungendorf-Stadt heißt.

Von Streit ist allerdings längst keine Rede mehr. Im Gegenteil: Die Feuerwehren, die aktuell zusammen 113 Aktive haben, unterstützen sich gegenseitig und fahren nicht selten auch gemeinsam zu Einsätzen. "Sie sind das Rückgrat für die Brandbekämpfung und unverzichtbare Elemente sozialen und kulturellen Brauchtums. Sie dienen der Allgemeinheit, opfern viel Zeit und müssen trainieren wie Leistungssportler", lobte Klaus Schlie die Feuerwehrfrauen und -männer. Ohne Unterstützung der Familie sei das nicht möglich. Der Minister rief die Bevölkerung auf, sich stärker für die Wehren zu engagieren. "Die Devise heißt: Mitmachen." Ohne Neuzugänge lasse sich das ehrenamtliche Feuerwehrwesen für die Zukunft nicht auf hohem Niveau aufrechterhalten. In die gleiche Kerbe schlug Landesbrandmeister Detlef Radtke in seinem Grußwort: "Wir müssen alles tun, damit das laufende System der Freiwilligen Feuerwehren gehalten werden kann. Der demografische Wandel kommt erst noch", warnte er und übergab anschließend mit Stadtbrandmeister Dr. Klaus-Peter Jürgens Ehrenurkunden des Landesfeuerwehrverbandes an die drei Wehrführer.

Zuvor hatten Gunter Pelz von der Wehr Tungendorf-Dorf und Klaus Lohmeier von der Wehr Tasdorf einen Überblick über die wechselhafte Geschichte der drei Wehren gegeben. Der bisher längste Einsatz der Wehren dauerte bei der Schneekatastrophe im Winter 1978/79 mehrere Monate. Damals leisteten die Kameraden vor allem technische Hilfe und versorgten die Bevölkerung.

Christian Lipovsek
Holsteinischer Courier


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Veröffentlicht
12:00:00 05.12.2011
Quelle
http://Holsteinischer Courier